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Gedenken – Denkmäler in Purkersdorf

Christian MATZKA, Gedenken – Denkmäler in Purkersdorf. In. Purkersdorfer Rundschau 4 (2008) 8.  

Zu Allerheiligen werden in ganz Österreich Kränze an den Denkmälern für die Opfer der Weltkriege niedergelegt. Was für die Republik das Äußere Burgtor ist, ist für Purkersdorf der Schlosspark und der Friedhof.

Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass es in Purkersdorf nur Opferdenkmäler gibt. Das ist nicht selbstverständlich, da auf vielen Denkmälern, wie z. B. in Weidlingau, die Inschriften den toten Helden gewidmet sind. Das Purkersdorfer Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges stand ursprünglich an der Stelle des Friedolinbrunnens am Unteren Hauptplatz und wurde in den achtziger Jahren während des Baues der Hauptplatzumfahrung abgetragen und im Schlosspark neu aufgestellt. Dass dieses Denkmal den Opfern und nicht den Helden gewidmet ist, ist sicherlich auf die sozialdemokratische Mehrheit im Purkersdorfer Gemeinderat der zwanziger Jahre zurückzuführen. Die Mehrheit konnte sich mit dem verlorenen Krieg anscheinend nicht identifizieren und empfand die vielen toten Soldaten als Opfer. Im Rahmen einer hoffentlich baldigen Neugestaltung des Schlossparkes soll das Denkmal wieder versetzt werden. Diesmal auf den Friedhof, wo sich auch alle anderen Purkersdorfer Gedenkstätten, Krieg, Verfolgung und Vertreibung betreffend, befinden.

Diese Verlagerung auf den Friedhof schafft in Zukunft eine einzigartige Anlage von unterschiedlichen Gedenksteinen. Rund um die Friedhofskapelle würden sich dann neben dem Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges, das der Opfer des Zweiten Weltkrieges, der Friedhof der gefallenen sowjetischen Soldaten, das Massengrab der vertriebenen Brünner Deutschen und das im Jahre 2005 errichtete Denkmal für die Purkersdorfer Holocaustopfer befinden. Eine einmalige Anlage wo sich Zivilisten, Soldaten, Feinde, Freunde, Täter, Opfer, Schuldige, Unschuldige im Umkreis von einhundert Metern im Tode treffen. Auch das Denkmal für den Zweiten Weltkrieg ist den Opfern des Krieges gewidmet. Die Vereinigung der Brünner Deutschen spricht von Opfern. Die sowjetischen Soldaten opferten ihr Leben für die Befreiung Österreichs und die Holocaustopfer sind wohl das deutlichste und in weiten Teilen einzigartige Beispiel für die Unmenschlichkeit des zwanzigsten Jahrhunderts. Wie soll mit diesen vielen Denkmälern, die dieselbe historische Entwicklung aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten in Zukunft umgegangen werden? Braucht es einer neuen Gedenkdidaktik? Wollen wir SS Soldaten als Opfer sehen, wie es uns das Denkmal vermitteln will? Auch in der Sowjetunion sind bekanntlich viele Menschen durch den Stalinismus ums Leben gekommen. Der rote Stern am sowjetischen Friedhof ist für viele Menschen, wie für Vertriebene aus Brünn, sicherlich ein Symbol für das erlittene Schicksal.

Üblich ist es seit vielen Jahren, dass zu Allerheiligen Kränze bei den Denkmälern für die Weltkriege einschließlich des sowjetischen Friedhofes niedergelegt werden. Der Unterschied in der Betrachtung wird dadurch sichtbar, dass das Lied „Ich hatt’ einen Kameraden“ nicht beim sowjetischen Friedhof von der Stadtkapelle intoniert wird.

Zu diskutieren wäre, in wie weit eine Gedenkveranstaltung möglich wäre, bei der alle Opferdenkmäler in Purkersdorf miteinbezogen werden. Dies ist sehr sensibel, aber spannend und könnte von Purkersdorf ausgehend einen neuen Weg im Umgang mit Denkmälern aufzeigen.

Im weitesten Sinne waren alle Menschen Opfer einer Zeit der Gewalt, der Verhetzung und der Unmenschlichkeit. Viele von Ihnen sind aber bewusst, die unmenschlichen politischen Systeme unterstützend aktiv und oft auch zu Tätern geworden. Der Versuch eines neuen Umganges mit den Purkersdorfer Gedenkstätten darf aber nicht zu einer Verharmlosung und Aufrechnung von Schuld führen, sondern kann bei scharf differenzierender Betrachtung der unterschiedlichen Positionen in der Geschichte zu einer Erkenntnis des „niemals wieder“ führen. Dies ist gerade jetzt bei der österreichischen politischen Situation im Umgang mit nicht österreichischen Staatsbürgern besonders wichtig.


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